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pfadi_und_miniÜber 700.000 Jugendliche sind in Deutschland in kirchlichen Jugendgruppen organisiert „Die gehen freiwillig in die Kirche“ oder „Das sind spurensuchende, feuermachende Naturfreaks“ – es bestehen viele Vorurteile gegenüber Ministranten und Pfadfindern. Dabei steckt hinter der Pfadfinderkluft und dem Ministrantengewand viel mehr, als die meisten wissen. In der Erzdiözese Freiburg gibt es knapp 43.000 Ministrantinnen und Ministranten sowie 334 Pfadfinderstämme. Fast 700.000 Jugendliche in ganz Deutschland, also immerhin knapp fünf Prozent der 7- bis 20-Jährigen, sind in kirchlichen Jugendgruppen organisiert. Was begeistert so viele Kinder und Jugendliche daran? Und treffen die Vorurteile tatsächlich zu?


Pfadfinder sind in der Kirche zwar nicht so präsent wie Ministranten, das bedeutet aber keinesfalls, dass sie mit ihr nichts am Hut haben. Es gibt katholische, evangelische und interkonfessionelle Pfadfinder-Verbände. „Wir bereiten regelmäßig Jugendgottesdienste in unserer Pfarrei vor, und auch beim Sommerlager feiern wir einen Gottesdienst“, erzählt Dominik Denk aus Endingen, der Mitglied der Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), des größten Pfadfinder-Verbandes in Deutschland ist – allein in Freiburg sind 6000 Jugendliche bei der DPSG.

In den Gruppenstunden einer Jungpfadfinder-Gruppe gehen die Pfadis nicht nur in den Wald, um Pfade und Spuren zu suchen oder ununterbrochen Knoten zu machen, wie viele glauben. „Die Naturverbundenheit spielt bei uns eine Rolle, jedoch nicht die größte. Viel mehr im Vordergrund stehen Spiel, Spaß und eine gute Gemeinschaft“, sagt Dominik Denk, der inzwischen selbst Gruppen leitet. „Wir vermitteln den Kindern Fairness, ein starkes Gruppengefühl und Selbstständigkeit, indem sie bei der Gestaltung ihrer Gruppenstunden mitreden dürfen. Und natürlich die Pfadfinderregeln.“ Pia Schmidt kommt auch aus Endingen und ist mit Dominik in einer Gruppe. Sie erläutert, welche Regeln ihr am wichtigsten sind: „Als Pfadfinderin bin ich höflich, hilfsbereit und entwickle meine eigene Meinung. Auch die Grundsätze unserer Gemeinschaft sind in den Regeln festgelegt.“

Bei Ministranten hingegen gibt es kein festes Regelwerk. Nach dem Leitspruch „Mehr als Messdiener – Minis in der Erzdiözese Freiburg“ organisieren sich die Jugendlichen in ihren Pfarreien. Regelmäßige Gruppenstunden gehören genauso dazu wie Ausflüge, Sporttage, Filmabende oder das gemeinsame Sommerlager. „Natürlich ist die Kirche ein Bestandteil unserer Jugendarbeit. Wir gestalten Gruppenstunden auch ab und zu religiös. Aber wir sitzen nicht ununterbrochen in der Kirche und beten“, erzählt Susanne Rentz von den Minis Endingen.

Für viele Ministranten ist das alljährliche Sommerlager oder die nur alle fünf Jahre stattfindende Internationale Ministrantenwallfahrt nach Rom der Höhepunkt. Dieses Jahr machen sich 11.000 Ministranten aus der Erzdiözese Freiburg auf die Reise zum Vatikan, das sind 2000 mehr als bei der vorhergegangenen. Für 14- bis 17-jährige Pfadfinder ist das alle vier Jahre stattfindende „World Scout Jamboree“ ein Highlight, ein internationales Riesenzeltlager, das jedes Mal in einem anderen Land und im kommenden Jahr in Schweden stattfindet.

Kirche und coole Freizeitgestaltung sind zwei Dinge, die durchaus Hand in Hand gehen, am besten wissen das aber Jugendliche, die eine Zeit bei den Pfadis oder Minis verbracht haben. Alle anderen können sich ja weiter mit ihren Vorurteilen langweilen.

 

Text und Bild von Sabine Rentz, erschienen im Schülermagazin f79 für Freiburg und Region, Ausgabe 03.10

Hier gehts zum Artikel von Sabine im Schülermagazin f79.